Tuttlingen – Regularien, Digitalisierung, Globalisierung oder demografischer Wandel: Die Entwicklung der Medizintechnik-Branche wird durch etliche Faktoren beeinflusst – manche hemmen, manche pushen. Um einen gemeinsamen Weg in die Zukunft zu finden, geht die MedicalMountains GmbH mit Unternehmen im Visionsprozess voran. Am 24. Juni findet das zweite Online-Treffen der Arbeitsgruppen statt.

Der gerade Weg nach vorn, die lineare Extrapolation der Gegenwart auf einen bestimmten ferneren Zeitpunkt, funktioniert nicht mehr. Diese an sich triviale Erkenntnis bestimmt das Denken beim Visionsprozess. Yvonne Glienke, Geschäftsführerin der MedicalMountains GmbH, steckt mit Ressortleiterin Britta Norwat mitten in den Vorbereitungen für den zweiten Workshop. „In dieser Phase geht es darum, gemeinsame Visionselemente zu entwerfen“, beschreiben sie das Vorgehen, „wir ermitteln Kernaussagen einer wünschenswerten Zukunft.“ Beim ersten Treffen sind bereits zahlreiche Ideen und Gedanken gesammelt worden. Megatrends, die Treiber des Wandels, sind in Bezug zu den Stärken, Anliegen und Erwartungen der Branche gesetzt worden. Dieser Faden wird am 24. Juni wieder aufgenommen.

Welches Ziel verfolgt der Visionsprozess – oder besser: Was unterscheidet eine Vision von einem Ziel? Diese Frage komme wieder auf, berichtet Yvonne Glienke. „Die Vision ist flexibel, das Ziel konkret. Die Vision steht vor dem Ziel“, bringt es die Geschäftsführerin auf einen einfachen Nenner und verdeutlicht dies mit einem Beispiel aus der Automobilindustrie. „Man könnte heute sagen: Wir möchten in 10 Jahren Elektroauto-Akkus haben, die eine Reichweite von über 1.000 Kilometern ermöglichen. Das ist ein Ziel“, beschreibt Yvonne Glienke. „Eine Vision ist hingegen, sich mit den Faktoren zu beschäftigen, die unsere Mobilität in 10 Jahren beeinflussen werden und daraus Werkzeuge abzuleiten, wie auf die Bedürfnisse reagiert werden kann.“ Dieses Bild lasse sich auf die Medizintechnik übertragen. „In 10 Jahren eine adäquate Gesundheitsversorgung für eine immer älter werdende Gesellschaft zu haben – diese Aussage formuliert ein Ziel. Sich jetzt damit auseinanderzusetzen, welche absehbaren Ansprüche das Leben im Alter haben wird, wie die Digitalisierung es verändert, welchen Einfluss die Urbanisierung darauf hat – das ist visionär.“ Aus einer Vision ließen sich dann konkrete Ziele ableiten.

In der Summe bleibe dieses Vorgehen zwar grobmaschiger. Es ermögliche aber, elastischer auf mögliche Szenarien zu reagieren. „Im Grunde der Gegenentwurf zur linearen Betrachtung“, stellt Yvonne Glienke fest. Die Medizintechnik in Baden-Württemberg zeichne sich durch hervorragende Produkte aus. Ihre Bedeutung werde noch wachsen. Doch bisweilen fehle der Blick über den Tellerrand hinaus. „Wenn vorhandene Tugenden in den Kontext von Megatrends gesetzt werden, erhalten Innovationen einen ganz neuen Drive.“ Denn darum gehe es letztlich: gemeinsam Wege zu beschreiten, um weiterhin als erfolgreiche, solide und zuverlässige Medizintechnik-Unternehmen wahrgenommen zu werden. Die Betonung liegt auf „gemeinsam“. „Indem die Gruppen die Inhalte selbst erarbeiten, stehen die Teilnehmer auch hinter den Ergebnissen“, betont Britta Norwat. „Die Verankerung innerhalb der Branche ist viel fester.“ Auch das unterscheide letztlich Ziel von Vision. „Wir bewegen uns in der Medizintechnik in einem sehr heterogenen Umfeld“, erinnert Britta Norwat, „bei dem es selbstverständlich Schnittmengen gibt, wenn es um konkrete Ziele geht. Mit dem Visionsprozess öffnen wir aber jedem einzelnen die Tür, die Ziele tatsächlich auch zu erreichen.“

Unter diesem Link sind verschiedene Informationen zum Visionsprozess aufbereitet, darunter auch zu den Arbeitsgruppen und dem Meeting am 24. Juni.

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