(04/2021) Mitte Februar war es wieder so weit – wenn auch in digitaler Form. Das 22. Münchner Klinik Seminar wartete mit einem breiten Reigen an Vorträgen auf, die die aktuelle Situation der Kliniken und Einkaufsgemeinschaften beleuchteten. Ein zentrales Thema war der Grad der Digitalisierung, der Kliniken und Einkaufsgemeinschaften mehr oder weniger eng miteinander verzahnt. Deutlich wurde: Wunsch und Wirklichkeit klaffen noch weit auseinander. Alle wollen mehr „digital“, aber die „analogen“ Stolpersteine machen allen das Leben schwer.
Plattformstrategien mit Blick auf Ausrichtung und Sinnhaftigkeit standen im Mittelpunkt des Vortrages von Dr. Oliver Gründel, Geschäftsführer der AGKAMED mit Sitz in Köln. Die Szene in Deutschland habe sich generell beruhigt und bereinigt.
Die Stunde der Plattformen
Aktuell gebe es nur noch zwei „ernst zu nehmende E-Procurement-Partner“ im Markt: die GHX Europe (Medical Columbus schloss einen Vertrag zur Veräußerung eines wesentlichen Teils ihres Vermögens mit GHX) sowie HBS Pagero (Pagero übernahm HBS Health Business Solutions GmbH). Laut Gründel hat sich dabei HBS Pagero mittlerweile zum dominanten Anbieter entwickelt, GHX spiele eine geringere Rolle, hier seien „nur noch wenige Kunden aufgeschaltet“.
Was Plattform-Qualität ausmacht
Die anderen machen es vor, wie es in puncto digitaler Plattformstrategien geht, so Dr. Gründel, mit Verweis auf Amazon, Zalando & Co. „Die wissen, wie digital gut und einfach funktioniert.“ Das Standard-Business sei hier dem Healthcare-Sektor um 15 Jahre voraus. Unabdingbar sind aus seiner Sicht bei diesem Thema für das Gesundheitswesen valide Stammdaten (Artikel, Preise, Konditionen, Sondervereinbarungen), standardisierte Prozesse (Order-, Shipment-Info, Lieferschein, elektronische Rechnung), Prozessunterstützung und „Decision Support“. An letztem Punkt sei die AGKAMED gerade dran, um ihren Mitgliedshäusern mit Blick auf Entscheidungsunterstützung und den Einsatz KI-basierter Systeme zusätzlichen Support anbieten zu können. Gerade beim DRG(Diagnosis Related Groups)-bezogenen Einkauf sei die „Prozessintegrität ein entscheidender Faktor“.
Die anderen schlafen nicht
Auf dem Vormarsch sind laut Dr. Gründel derzeit integrative Plattformen, die den klassischen Modellen von GHX oder HBS Pagero überlegen seien. Speziell Amazon habe das Gesundheitswesen im Blick und sei perfekt in Sachen Logistik und Plattform-Management. Und er warnt: „Einkaufsgemeinschaften stehen heute schon auf dem Portfolio von Amazon. Das kann Einkaufsgruppen überflüssig machen.“ Hier erwachse etwas, „was man noch steuern sollte“, solange es noch geht.
Plattform-Strategie der AGKAMED
Die AGKAMED verfolgt aktuell den Ansatz, alle Daten, Prozesse und Akteure in einem System zusammenzubringen. Die sogenannte IP4-Plattform soll alle Mitgliedseinrichtungen (MaWi) und Vertragslieferanten (ERP-Systeme) auf dieser Plattform verbinden. Entwicklungspartner ist die MEDIIO GmbH. Ein entsprechendes Pilotprojekt läuft aktuell mit B. Braun Deutschland. Dr. Gründels Fazit: Die Krankenhaus-Einkaufsgemeinschaften müssen ihrer Rolle als Mittler zwischen Industrie und Klinikmarkt besser gerecht werden als bislang. Sie müssen das Thema „digitale Plattform-Strategie“ jetzt antreiben.