Lieferanten müssen sich künftig mehr strecken
Lieferanten müssen sich künftig mehr strecken Foto: Baloncici/Fotolia

(06/2021) von Dr. Christoph Luz, Geschäftsführer Deutschland, Schweiz und Niederlande, Global Healthcare Exchange/GHX

Covid-19 stellt die Supply Chain im Gesundheitswesen vor große Herausforderungen. Aufgrund von Lieferengpässen prüfen Krankenhäuser die Beziehungen zu ihren Lieferanten und definieren neue Anforderungen. Die damit verbundenen Konsequenzen treffen Hersteller, Distributoren und Fachhändler gleichermaßen.

Viele Lieferanten mussten zu Beginn der Pandemie die Erfahrung machen, dass sie plötzlich nicht mehr in der Lage waren, ihren Kunden verlässliche Aussagen zu Bestellungen und Lieferungen zu machen, vor allem im Bereich von PSA. Ein großer Kritikpunkt der Kunden dabei: der kommunikative Umgang mit den Lieferengpässen.

Verlässliche Kommunikation
Kliniken beklagten, dass es ihnen an einer offenen und verlässlichen Kommu­nikation fehlte. An Vertrauen gewinnen konnte hier, wer klare Aussagen gemacht hat – auch über die eigene Lieferunfähigkeit. Diese Kritik sollten Lieferanten ernst nehmen und ihre Kundenkommunikation dahingehend überprüfen. Von Vorteil ist es in dieser Situation, aktiv das Gespräch mit den Kunden zu suchen und sich auf gemeinsame Kommunikationsrichtlinien zu einigen.

Umstellung weg von just in time
Auch wenn es jahrelang gut ging: Die Pandemie hat die Gefahr der globalisierten Just-in-time-Supply-Chain offenbart. Diese Erkenntnis bringt ganze Lieferkettenmodelle ins Wanken. Zulieferer, Hersteller, Händler und Kunden müssen hier neue Frühwarnsysteme etablieren, die Engpässe bereits dann erkennen, wenn die Auswirkungen noch gar nicht spürbar sind. Hierbei spielen globale Daten eine wich­tige Rolle, etwa über Krisen, politische Spannungen, Naturkatastrophen, Epidemien, die sich in Pandemien ausweiten können, und vieles mehr. Solche Daten, zuverlässig erhoben und in Bewer­tungssysteme eingespeist, können hel­fen, Risiken zu erkennen, bevor es zu spät ist.

Diversifizierung der Risiken
Neben mehr Transparenz über die aktuelle Liefersituation fordern Krankenhäuser künftig zudem tiefere Einblicke in die Produktions- und Lieferketten ihrer Lieferanten. Sie werden neue Kriterien in ihre Scoring-Modelle aufnehmen oder diese neu gewichten:

  • Wo sind die Produktionsstandorte?
  • Wie viele gibt es?
  • Wo und wie groß sind die Lager­kapazitäten?
  • Wie stark ist ein Hersteller von einzelnen Zulieferern abhängig?

Das bedeutet: Im Lieferanten-Scoring werden diejenigen punkten, die breit aufgestellt sind und damit den Kliniken möglichst minimale Risiken bieten. Lieferanten müssen also umdenken und in ihre eigenen Risikomanagementsysteme investieren. Das kann sogar bedeuten, einen Teil der Produktionsstand­orte wieder zurück auf europäischen Boden zu holen sowie neue dezentrale Lagerkapazitäten zu schaffen. Auch die eigenen Zulieferer sollten Hersteller genau unter die Lupe nehmen: Wie groß ist deren Risiko, in Engpässe und Schwierigkeiten zu geraten? Experten raten dazu, stärker auf Diversifizierung zu setzen, also mit mehreren geografisch vertei

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